Tipp: OE1 – Sendereihe “Tonspuren”

Die “Tonspuren” produzieren Literatur- und Musikfeatures unter Aufbietung aller akustischen Mittel, die das Radio zu bieten hat.

Formal durchtrainiert, zuweilen hintergründig, häufig mit indirekten Zugängen. Eine vielfach preisgekrönte Sendereihe mit elegantem Design, die sich eine treue Hörergemeinde erobern konnte. Den sogenannten Radio-Oscar, den “Prix Italia” gewannen die Tonspuren gleich zwei Mal. 2002 mit einem Porträt Raymond Carvers, 2008 mit dem Musikfeature “A-Moll”.

Nächste Sendung: In Nacht und Eis. Der dänische Autor Klaus Rifbjerg über Fridtjof Nansens Nordpolexpedition. Von Barbara Denscher, Montag 09. Jänner 2012, 21:00

“Fräulein Smillas Gespür für Schnee”

Hörspiel in OE1: “Fräulein Smillas Gespür für Schnee”: Heute 16.00: “Fräulein Smillas Gespür für Schnee”. Von Peter Hoeg (1. Teil von 2). Mit Krista Posch, Matthias Habich, Holger Rapp und Hans-Peter Hallwachs. Bearbeitung: Valerie Stiegele. Musik: Peter Zwetkoff. Regie: Hermann Naber (2. Teil am 26. Dezember um 16:00 Uhr)

Es war eines der großen Erfolgsbücher des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts. Die 1992 erschienene Geschichte von Smilla Jaspersen, eigensinnige Tochter einer Inuit und eines dänischen Arztes, wurde von der internationalen Kritik hoch gelobt, vielfach übersetzt und schließlich verfilmt. Eingebettet in die Rahmenhandlung eines Krimis führt der dänische Autor Peter Hoeg seine Leserinnen und Leser nach Grönland, macht sie mit der Kultur und Geschichte der Inuit vertraut und führt uns vor Augen, dass Schnee nicht gleich Schnee ist und die Farbe Weiß viele Facetten und Schattierungen hat.

Ausgangspunkt der Geschichte ist der Tod eines sechsjährigen Jungen. Kurz vor Weihnachten stürzt er im Kopenhagener Hafenviertel von einem Dach. Todesursache laut Polizeibericht: ein Unfall. Smilla Jaspersen, die im selben Haus wohnt wie der Junge, sieht das anders. Die Schneespuren auf dem Dach zeigen, dass jemand hinter dem unter Höhenangst leidenden Jungen her gewesen sein muss. Die Sache wird merkwürdig, als die Polizei die Akte schließen will. Smilla forscht auf eigene Faust nach. Und je weiter sie damit kommt, desto entschlossener werden die Versuche von dritter Seite, sie aus dem Weg zu räumen. Als sie in einem Versteck des Jungen eine Kassette findet, auf der ein Mann im ostgrönländischen Dialekt eine Wegbeschreibung durch das ewige Eis gibt, hat sie eine erste Spur. Smilla heuert auf einem Forschungsschiff an und bezahlt ihre privaten, kriminalistischen Ermittlungen beinahe mit dem Leben. Was sie am Ende – gerade noch – rettet, ist ihr außergewöhnliches “Gespür für Schnee” (Produktion SWF/NDR 1995).

Schauplätze der Literatur: Die Strudlhofstiege in Wien

Sie ist die Verbindung zwischen Strudlhofgasse und Liechtensteinstraße: Heuer feiert die 1910 eröffnete und erst kürzlich sanierte Strudlhofstiege ihren 100. Geburtstag. Eine eigene Ausstellung erzählt ihre Geschichte. Die Ausstellung “Strudlhofstiege” von 7. Dezember 2010 bis 2. Dezember 2011 im Palais Strudlhof, Pasteurgasse 1, 1090 Wien, ist von Montag bis Freitag jeweils von 9.00 bis 16.00 Uhr zu sehen.

1910 wurde die nach dem Entwurf von Johann Theodor Jäger gebaute Strudlhofstiege eröffnet. Am 29. November 1910 wurde die nach einem Entwurf von Johann Theodor Jäger aus Mannersdorfer Kalkstein erbaute Freitreppenanlage eröffnet und zur Benützung freigegeben.

Strudlhofstiege in Wien Schauplätze der Weltliteratur
Ausstellung über Geschichte der Treppe

Das nur wenige Meter von der Strudelhofstiege entfernte “Palais Strudlhof” ist auch Schauplatz der aktuellen Ausstellung anlässlich des runden Jubiläums der Treppe.

Die von 7. Dezember 2010 bis 2. Dezember 2011 laufenden Schau spannt den Bogen von bauhistorischen zu alltagsgeschichtlichen Bedeutungen der Strudlhofstiege. Inhalt der Schau sind etwa historische Pläne, Fotografien unterschiedlicher Renovierungsetappen sowie Erläuterungen zur künstlerischen und alltagsgeschichtlichen Bedeutung der Strudlhofstiege.

Berühmtheit erlangte die Treppe allerdings erst mit dem Erscheinen von “Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre” von Heimito von Doderer. In dem 1951 erschienenen Roman spielt die zu den bedeutendsten Jugendstilbauten zählende Treppe eine zentrale Rolle.

Heimito von Doderer wählte für seinen gleichnamigen Großstadtroman die im 9. Wiener Gemeindebezirk gelegene Strudlhofstiege als Dreh- und Angelpunkt. Hier begegnen einander – absichtlich oder auch zufällig – zwischen 1911 und dem 21. September 1925 sämtliche wesentliche Figuren des Romans. Im Mittelpunkt steht jedoch der eher einfach gestrickte ehemalige k.u.k.-Major Melzer, der nach dem Ende des Ersten Weltkriegs als Amtsrat bei der Österreichischen Tabak-Regie angestellt ist. Mit ihm durchstreift Doderer sämtliche soziale Schichten von der bereits vom Zerfall gekennzeichneten Donaumonarchie bis in die Zwischenkriegszeit – wenn auch die maßgeblichen Figuren, mit Ausnahme von Melzers Gattin Thea Rokitzer, sie kommt aus dem Kleinbürgertum, aus dem Adel und dem Bildungsbürgertum stammen.

Bei diesen Streifzügen durch die Gesellschaft im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts wird allerdings immer wieder offensichtlich, wie stark Gefühle und Verhaltensmuster der Protagonisten jedoch noch im 19. Jahrhundert verwurzelt sind, auch wenn sich die Zeiten in der Zwischenzeit fundamental geändert haben.

Strudlhofstiege Wien

Buchtipp

Schriften der Heimito von Doderer-Gesellschaft, Sonderband 3
Stefan Winterstein (Hrsg.)
Die Strudlhofstiege. Biographie eines Schauplatzes
Hrsg. v. Stefan Winterstein. Wien: Bibliophile Edition 2010.
176 Seiten, gebunden, mit Schutzumschlag, zahlreiche farbige Abbildungen, Format 25 x 22,3
EUR 33,00
ISBN 978-3-9502052-9-9

Heimito von Doderer hat mit seinem 1951 erschienenen Roman “Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre” eines der bedeutendsten Werke der österreichischen Literatur des 20. Jahrhunderts geschaffen. Die Autorin und Kritikerin Hilde Spiel nannte es einmal “das Nonplusultra österreichischer Lebenshaltung”. Neben Robert Musils “Mann ohne Eigenschaften” (mit dem er auch von der Erzählstruktur her oftmals verglichen wurde) gilt dieser Roman Doderers als einer der epochalen Großstadtromane des 20. Jahrhunderts. Bis heute wird “Die Strudlhofstiege” auch als der Wien-Roman schlechthin angesehen.

Quelle: ORF

Leseproben aus den Werken von Heimito von Doderer auf der Webseite der Doderer-Gesellschaft

Literaturszene feierte 50 Jahre “manuskripte”

Mit einem Fest im Schauspielhaus und in der Aula der Alten Universität wurde am Samstag in Graz das 50-Jahr-Jubiläum der Literaturzeitschrift “manuskripte” gefeiert. Rund 500 Gratulanten aus Kunst und Politik waren dabei. Autoren und Texte im Mittelpunkt der Feier

Über 150 Persönlichkeiten aus dem Literaturbetrieb waren gekommen, um Herausgeber Alfred Kolleritsch zu seinem Lebenswerk zu gratulieren. Die Autoren und ihre Texte standen auch neben dem Jubilar im Mittelpunkt. Gegründet 1960, erschien “manuskripte” zum ersten Mal zur Eröffnung des Forum Stadtpark. Zuerst dreimal im Jahr, dann viermal. Die “manuskripte bringen” nur Erstveröffentlichungen.

Weblinks: “manuskripte” und ORF

“Bad Sex in Fiction Award”

Auch schlechter Sex muss sein, sonst würde man den guten nicht als solchen erkennen: Das gilt im Bett und auch in der Literatur.

Um Letztere kümmert sich alljährlich die Jury des „Bad Sex in Fiction Award“. Heuer wurde Rowan Somerville prämiert – wenn man die genannten Passagen seines neuen Romans liest, weiß man, warum. Er nahm es mit viel Humor. Nominiert waren auch Tony Blair und Jonathan Franzen. Rund um den Award ist eine Debatte entstanden: Kann es überhaupt guten Sex in der Literatur geben? Beispiele werden genannt.

Der ORF schreibt:

“Somerville bewies Humor, er nahm den Preis an und sagte bei der Verleihung: „Es gibt nichts, was englischer ist als schlechter Sex, und so möchte ich mich im Namen der ganzen Nation bei Ihnen bedanken.“ Der Lieblingssatz der Juroren in seinem Roman „The Shape of Her“ lautete (in einer nicht autorisierten Übersetzung): „Wie ein Schmetterlingssammler, der eines der dünnhäutigen Insekten mit einer zu stumpfen Nadel aufspießt, hat er sich in sie hineingeschraubt.“

Es finden sich aber weitere beeindruckende Passagen in dem Werk. Schamhaare sind demnach „wie Wüstenvegetation, die einem unterirdischem Strom folgt“. Und: „Er knöpfte ihre Bluse auf und schob sie so auseinander, dass sich eine Brust zeigte, der Nippel lugte hervor, hochstehend wie die Nase des lieblichsten Nachttiers, wenn es in die Nacht hinaus schnüffelt.“ Auch wenn das im englischen Original weniger hinkt, das Bild bleibt seltsam.

Dem kann nichts hinzugefügt werden.

Semabooks stellt vor: Literatur Lana / Südtirol

Morgen, am 03.12.2010, 20:00 Lesung; Peter Waterhouse: „Der Honigverkäufer im Palastlastgarten und das auditorium maximum” (Jung & Jung Verlag 2010), Einführung: Christine Vescoli, Kultur.Lana, Hofmannplatz 2

Literatur Lana
Bildnachweis: Screenshot der Webseite “Literatur Lana”


LITERATUR LANA. VEREIN DER BÜCHERWÜRMER
Die Literaturinstitution in Lana/Südtirol wurde 1980 vom Verein der Bücherwürmer gegründet. Seit ihren Anfängen verpflichtet sie sich der Vermittlung und dem Verständnis von Literatur in einer kontinuierlich diskursiven und künstlerischen Auseinandersetzung. Im Mittelpunkt steht also zum einen die Präsentation von Literatur, zum anderen die Reflexion über die literarische Sprache und ihre Vorgänge, über die Möglichkeiten der Literatur selbst und über die Möglichkeiten des Gesprächs.

Lana hat seinen Ort in diesem Gespräch der Literatur immer auch zu reflektieren versucht und ihn eingebracht als einen „springenden Punkt“ innerhalb eines Gesprächs weit über die regionalen Grenzen hinaus, wo sich die Bücherwürmer einen festen Platz im Netzwerk des literarischen Tuns erobert haben.

Zitat: “Sowohl die Schriftlichkeit wie auch die Stimmlichkeit als grundlegende Qualitäten der literarischen und diskursiven Äußerung haben sich in Lana als wesentliche künstlerische Dokumente niedergelassen: Zum einen gibt es zahlreiche Bestände von Publikationen, die in Lana entstanden sind und als Bände der „edition per procura“ einen wesentlichen Beitrag zum zeitgenössischen poetischen und poetologischen Denken im deutschen Sprachraum geleistet haben. Zum anderen sammelt ein Tonarchiv von über 3000 Aufnahmen literarische Lesungen und Performances, die in Lana eine einmalige Präsenz und Physis literarischer Wahrnehmung hinterlassen haben.”

Die Webseite von “Literatur Lana” bietet umfassende weitere Infos. Unbedingt besuchen!

“Musikpiraten” sammeln Gratis-Noten für Kindergärten

Musikpiraten stellen Liederbuch für Weihnachten zusammen. Liederbuch mit 26 Weihnachtsliedern unter Creative Commons-Lizenz veröffentlicht

derstandard.at berichtet: Nach der Aufregung um potentielle Copyright-Verletzungen durch urheberechtlich geschützte Notenblätter in deutschen Kindergärten, hat der Verein Musikpiraterie Mitte November zur Sammlung von frei kopierbaren Weihnachtsliedern aufgerufen. Der Verein konnte laut Golem 26 Notensätze zu einem Liederbuch unter der Creative-Commons-Lizenz zusammenstellen, das nun kostenlos aus dem Web heruntergeladen werden kann.

Logo Creative-Commons
Logo Creative-Commons

Vor gut 14 Tagen wurde das Projekt “Creative Commons-lizenzierte Notenblätter für Advents- und Weihnachtslieder” gestartet. Ziel war es, ein gutes Dutzend gemeinfreie Lieder für die Advents- und Weihnachtszeit neu zu setzen, damit sie kostenfrei und legal von jedem kopiert werden dürfen – ohne dass jede Kopie über die GEMA bezahlt werden muss. Dieses Ziel wurde mit 26 Notensätzen mehr als erreicht.

Das Liederbuch kann nun als PDF, OpenOffice-Textdokument, PNG sowie für das LilyPond-Notensatzprogramm heruntergeladen werden.

Der Musikpiraten e.V. hat als Zweck die Förderung freier Kultur mit Schwerpunkt Musik als künstlerischem Ausdrucksmittel. Der Verein ist frei und unabhängig und verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts “Steuerbegünstigte Zwecke” der Abgabenordnung. Er ist selbstlos tätig und verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke. Die Mittel des Vereins dürfen nur für satzungsgemäße Zwecke verwendet und nicht den Mitgliedern des Vereins zugewendet werden.

Museen – Sammlungen digitaler Kunstwerke zerfallen

Technischer Fortschritt bedroht digitale Kunst der 80er und 90er. Datenträger zerfallen – Abspielgeräte und Programme fehlen. Die kulturellen Einrichtungen haben in den 1990er Jahren die Langlebigkeit digitaler Technologien überschätzt.

Philips CD 100, Baujahr 1983, Preis damals 2000 DM
Philips CD 100, Baujahr 1983, Preis damals 2000 DM; Bildnachweis: Timo Beil, Wikipedia

In den Sammlungen vieler Museen zerfallen digitale Kunstwerke. Datenträger wie CDs und DVDs haben nur eine begrenzte Lebensdauer. Außerdem kann Medienkunst aus den 1980er und 1990er Jahren heute oft nicht mehr gezeigt werden, sagte Bernhard Serexhe vom Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe der Nachrichtenagentur dpa. Ein Grund sei, dass die damals eingesetzte Hardware nicht mehr zur Verfügung stehe. Außerdem hätten sich die Betriebssysteme und Programme so schnell entwickelt, dass bereits zehn Jahre alte Werke nicht mehr nutzbar seien.

“Das zentrale digitale Versprechen einer langfristigen Datensicherheit ist bisher nicht eingelöst worden”, bedauert der Kunsthistoriker. Die Museen suchten händeringend nach Möglichkeiten, ihre Schätze zu retten.

Quelle und weitere Infos: derstandard.at

Kurznachricht

Kurznachricht

Googles E-Book-Dienst kurz vor dem Start

Google steht kurz davor, den Verkauf von E-Books zu starten. Die seit langem vorbereitete Plattform Google Editions werde in den USA noch vor Jahresende und im ersten Quartal 2011 auch in anderen Ländern online gehen, so ein Google-Manager gegenüber dem „Wall Street Journal“ („WSJ“, Mittwoch-Ausgabe). Zuletzt hätten technische und rechtliche Hürden den Start verzögert.

Googles Ansatz unterscheidet sich vom Konzept der Wettbewerber wie des E-Book-Pioniers Amazon und Apples Buchhandlung iBooks. Dort ist der Leser an deren Onlineshops gebunden, bei Apple auch an die Geräte des Herstellers. Google schlage den Nutzern hingegen eine Art virtuelles Buchregal im Internet vor, das sie per Browser-Software ansteuern, und das mit jedem beliebigen Gerät.

Bibliotheksforum 2010 Südtirol

LPA – “20 Jahre Schulbibliotheksgesetz” und die Vermittlung von Medienkompetenz waren die zwei Schwerpunktthemen des diesjährigen Bibliotheksforums Südtirol. Die jährliche Informations- und Weiterbildungsveranstaltung für Südtirols Bibliothekswelt ging am Freitag, 26. November, an der Europäischen Akademie Eur.ac über die Bühne.

Veranstalter war das Landesamt für Bibliotheken und Lesen in Südtirol. Bibliotheksmitarbeiter aus ganz Südtirol nahmen am Bibliotheksforum 2010 an der Eur.ac teil. Zwei Themen mit einer großen Schnittfläche kennzeichneten das Bibliotheksforum Südtirol 2010: Zum einen die Schulbibliotheken, deren gesetzliche Grundlage heuer 20 Jahre alt geworden ist, zum zweiten die Medienkompetenz, die Bibliotheken besitzen und vermitteln sollten, und die somit in enger Beziehung zur neuen Rolle der Bibliotheken und den veränderten Anforderungen an das Bibliothekspersonal steht. Darauf wies der Direktor im Amt für Bibliotheken und Lesen, Volker Klotz, bei der Tagungseröffnung hin.

Am Vormittag bilden die 20 Jahre Schulbibliotheksgesetz Anlass, Bilanz über die Entwicklung der Schulbibliotheken in Südtirol zu ziehen. Der stellvertretende Amtsdirektor im Landesamt für Bibliotheken und Lesen, Markus Fritz, berichtete über die Entwicklung der Schulbibliotheken in Südtirol, von denen 71 von hauptamtlichem Personal geleitet werden. Er gab Einblick in die Qualitätsstandards, die Verfahren zur Qualitätssicherung und schließlich die Evaluationsergebnisse.

Auf die geänderte Rolle und die sich wandelnden Aufgaben der Schulbibliotheken wies Maria Hofmann, Grundschullehrerin und Bibliotheksleiterin in Welsberg hin, wo die neue Schularchitektur auch der neuen Funktion der Bibliothek als “wohnlich gestaltete Lernwerkstatt” und “praxistaugliche Lernlandschaft” entgegen komme.

Über die Zukunft der Schulbibliothek machte sich der Gründer der hessischen Arbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken, Günter Schlamp, Gedanken, der zudem internationale Vergleiche anstellte. Sein Fazit: “Auch im digitalen Zeitalter, insbesondere angesichts des mobilen Internets, braucht es sie mehr denn je!”

Als Schlüsselkompetenz dieses digitalen Zeitalters bezeichneten der Historiker Lorenz Paasch und die Philologin Michèle Pommé die Informationskompetenz. Sie gaben Einblick in den diesbezüglichen Diskussionsstand in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und sprachen sich für eine systematische Vermittlung der Medienkompetenz in der Schule aus. Gleichzeitig leiteten sie zum Schwerpunktthema des Nachmittags über: Da stand die Medienkompetenz im Mittelpunkt des Bibliotheksforums. Die Leiterin der Dokumentation des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend und Bildungsfernsehen (IZI) in München, Heike vom Orde, zeigte auf, wie Bibliotheken Medienkompetenz fördern können. Sie betonte dabei, dass Medienkompetenz der Fähigkeit gleichzusetzen sei, Medien sinnvoll, kompetent und verantwortungsbewusst zu nutzen.

Über Bibliotheken und neue Medien debattierten Bibliotheks- und Medienfachleute am Runden Tisch. Im Anschluss daran wurd der Fotowettbewerb des Bibliotheksverbandes “Ich lese, also bin ich” mit der Preisverleihung abgeschlossen. Zudem wurden im Rahmen des Bibliotheksforums Biblio-Blogs für Bibliotheken, das Projekt Biblio24 und neue Kooperationsprojekte im Schulbibliothekswesen vorgestellt. Abgeschlossen wurde das Forum mit einem Improtheater. (jw)

Quelle: LPA – Provinz Bozen

Die Ernst Jandl Show im Wien Museum Karlsplatz

DIE ERNST JANDL SHOW Eine Ausstellung des Wien Museums und des Ludwig Boltzmann Instituts für Geschichte und Theorie der Biographie in Kooperation mit der Österreichischen Nationalbibliothek. Bis 13. Februar 2011

Berühmt wurde Ernst Jandl (1925-2000) mit seinen Laut- und Sprechgedichten. Als genialer Auftrittskünstler brachte er das Publikum zum Lachen und Nachdenken, manchmal zum Toben. Er überschritt die Grenzen zwischen Poesie, Performance, Musik und bildender Kunst und bewegte sich souverän im Feld der internationalen Avantgarde.

Ernst Jandl bei einem Auftritt in Darmstadt
Ernst Jandl bei einem Auftritt in Darmstadt, 1997, Foto & Copyright: Matthias Creutziger

Seine Texte verbinden Witz mit existenziellem Ernst, Lust an der Sprache mit politischem Engagement. Jandl begeistert – fast wie ein Popstar – ein breites Publikum über Generationen und Sprachgrenzen hinweg. Er war stets auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen, schrieb Gedichte in Alltagssprache, experimentelle Prosa, Hörspiele, Theaterstücke, Film-Drehbücher und sogar ein Ballett. Er übersetzte Texte von Avantgarde-Künstlern wie Gertrude Stein und John Cage. Über Jahrzehnte arbeitete der leidenschaftliche Jazzfan mit Musikerinnen und Musikern zusammen, seine Literatur ist mit Musik aufs engste verbunden, Jandls Stimme „gleicht mehreren noch zu erfindenden Instrumenten“ (Jürg Laederach).

Die Ernst Jandl Show im Wien Museum Karlsplatz inszeniert Jandls Werk in seiner Vielstimmigkeit, Internationalität und Intermedialität: mit zum Teil unbekannten Ton- und Filmaufnahmen, Fotos und Lebensdokumenten sowie vielen unveröffentlichten Texten. Jandl wird als Künstler sichtbar, der an den Schnittstellen von Text, Ton und Bild arbeitete und dessen innovative Kraft bis in die Alltagskultur hinein fortwirkt.

Erstmals wird neben Jandls Greatest Hits faszinierendes Material aus dem Nachlass – der vom Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek betreut wird – öffentlich präsentiert. Dabei wird deutlich, wie sehr bei Jandl Leben und Schreiben ineinander verschränkt sind. Eine Hommage an den populärsten österreichischen Lyriker nach 1945, der vor zehn Jahren starb und heuer seinen 85. Geburtstag gefeiert hätte.

Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Wien Museums und des Ludwig Boltzmann Instituts für Geschichte und Theorie der Biographie in Kooperation mit der Österreichischen Nationalbibliothek. Noch mehr Jandl bietet das hochkarätige, umfangreiche Begleitprogramm mit vielen Angeboten speziell für Kinder und Jugendliche. Viele der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler sind einstige WeggefährtInnen Jandls oder haben sich intensiv mit dem Schriftsteller und seinem Werk auseinandergesetzt, unter ihnen Wolfram Berger, Markus Binder (Attwenger), Dieter Glawischnig, Martin Haselböck, Bodo Hell, Friederike Mayröcker, Mieze Medusa, Christian Muthspiel, Lauren Newton, Wolfgang Puschnig, John Sass, Franz Schuh, Martin Schwab und Emmy Werner.

Ausstellungsrundgang
Die Ernst Jandl Show gliedert sich in elf Stationen, wovon sich die ersten beiden prägenden Jugenderfahrungen Jandls widmen. Unter dem Motto „ich schreie mich frei“. Herkunft und Einflüsse geht es zunächst um sein Verhältnis zur Mutter, die ihre Kinder streng katholisch erzog und selbst Gedichte schrieb. Ihr früher Tod 1940 war zugleich traumatisches Erlebnis und Befreiung, denn der Sohn entdeckte danach – mitten im Krieg – die verpönte Welt der modernen Kunst. Mit der Gestalt der Mutter setzte sich der Schriftsteller zeitlebens auseinander, am radikalsten in dem Gedicht „der schrei“: „ich habe meine mutter durchlocht / als ich herauskam, oh welcher schrei“.

Neben dem Katholizismus der Mutter war es das nationalsozialistische Milieu, dem Jandl entkommen musste (Station 2: Kriegsstimmen. Verführer und (Anti-)Helden). Als Jugendlicher war er Ohrenzeuge beim „Anschluss“ am 15. März 1938 auf dem Heldenplatz, eines seiner berühmtesten Gedichte, „wien: heldenplatz“ von 1962, ist die Antwort auf die alles dominierende Hitlerstimme mit den Mitteln experimenteller Poesie. Mit der Entdeckung der Fähigkeit, aus Sprache Gedichte machen zu können, wurde die eigene Stimme „frei, um fortan, vor mir und vor anderen, alles zu tun was ihr in den Sinn kam, ohne daß sie sich weiter der Wörter und Sätze und Gedanken besinnen mußte, von denen sie so viele Jahre gefangen gehalten worden war“. Seine Sprechgedichte wie „schtzngrmm“ entfalteten erst im Vortrag ihre elementare Wirkung, legendär wurden seine Auftritte wie jener in der Londoner Royal Albert Hall im Jahr 1965, als er 7000 BesucherInnen in Trance versetzte und dem Star des Abends, dem Beat-Poeten Allen Ginsberg, die Show stahl.

Die dritte Station ist Jandls „Doppelleben“ als Englisch- und Deutschlehrer und Schriftsteller gewidmet (Jandls Schule der Literatur. Der Dichter als Erzieher). Die Schule sicherte ihm finanziell die Existenz und gab ihm so die Freiheit zu schreiben, sie bedeutete aber auch eine große Belastung für ihn. In seinem Unterricht legte er sehr viel Wert auf eigenständiges Denken und Förderung der Individualität.

Ernst Jandl mit seinen Schülern, um 1960 Foto & Copyright: Literaturarchiv der ÖNB
Ernst Jandl mit seinen Schülern, um 1960, Foto & Copyright: Literaturarchiv der ÖNB

Die Befreiung von sprachlichen Konventionen und gesellschaftlichen Zwängen war für ihn ein zentrales emanzipatorisches Anliegen. Viele seiner Gedichte haben Aufforderungscharakter: Sie laden dazu ein, selbst mit Sprache zu experimentieren. Dass gerade Kinder und Jugendliche dieser Einladung begeistert folgen, wird in den vielen Gedichten und Zeichnungen deutlich, die Jandl zugesandt bekam.

Station 4: Innovation und Experiment. Jandl und die Avantgarden – Kurt Schwitters, Hugo Ball, Hans Arp, Gertrude Stein und andere experimentelle DichterInnen inspirierten Jandl, dessen literarische Anfänge im restriktiven Kulturklima der 1950er-Jahre enorm angefeindet wurden. 1957 kam es zum intensivsten Kontakt mit der Wiener Gruppe, vor allem mit H.C. Artmann und Gerhard Rühm, Jandls erste Gedichtbände konnten jedoch erst rund zehn Jahre später erscheinen (Laut und Luise, 1966; sprechblasen, 1968). In den 1960er-Jahren intensivierte sich auch der Austausch mit experimentell arbeitenden internationalen KünstlerInnen.

Dass Jandl jedoch nicht auf seine experimentellen Sprechgedichte oder auf die Lautgedichte allein festzulegen ist, wird in der Station 5 („ich sein sprachenkunstler“. Der vielsprachige Jandl) erlebbar. So entdeckte er für seine Arbeit die „heruntergekommene Sprache“, eine deformierte und fehlerhafte Sprachform, die er auch als Ausdrucksmittel für körperliche und psychische Krisenzustände verstand und „literaturfähig“ machte. In den 1990er-Jahren widmete er sich dem Dialekt: Mit der musikalischen Form der G’stanzln im Gedichtband stanzen setzte ein neuer Produktionsschub ein. Vermehrt schrieb Jandl aber auch Texte auf Englisch, neben dem Jazz war das Englische für ihn von Jugend an die Sprache der Freiheit.

Nicht nur in der Literatur erkundete er Neuland, er überschritt auch die Grenzen zur bildenden Kunst (Station 6: Von der Schrift zum Bild. Jandl und die Kunst der Grenzüberschreitung). „Etwas zu machen das man herzeigen kann hat mir immer schon Spaß gemacht. Darum habe ich als Kind gern gemalt“, schrieb Jandl in einem autobiografischen Text. Der Nachlass enthält eine Fülle an Zeichnungen und grafischen Arbeiten, viele davon zeigen Köpfe. Auch in seinen literarischen Arbeiten versuchte sich Jandl immer wieder an der Form des Porträts oder Selbstporträts.


“my right hand” – Ernst Jandl, Zeichnung aus dem Nachlass Ernst Jandls, 1970er-Jahre, Copyright: Literaturarchiv der ÖNB

Kommunizierende Gefäße: Ernst Jandl / Friederike Mayröcker – Die siebente Station steht ganz im Zeichen des gemeinsamen „Schreiblebens“ von Ernst Jandl und Friederike Mayröcker, das mehr als vier Jahrzehnte umfasste. Nicht nur ihre Poetik ging nach anfänglichen gemeinsamen Schreibversuchen in völlig verschiedene Richtungen, auch im Alltag waren sie in vielem konträr. Er arbeitete am liebsten während der gemeinsamen Sommeraufenthalte im steirischen Rohrmoos oder in Puchberg am Schneeberg, sie ging lieber in die Natur hinaus. Sie war und ist Frühaufsteherin, er ging spät zu Bett. Er liebte laute Musik, sie leise Töne, auch in der Literatur.

Laut geht es in der Ausstellung weiter: Station 8 nennt sich „jazz me if you can“. Jandl und die Musik und erkundet die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Jandls Poesie und Musik, insbesondere dem Jazz. Dessen vorwärtsdrängender Beat gab vielen Gedichten den Ton vor, Musik wurde von Jandl als Ausdruck individueller und gesellschaftlicher Freiheit empfunden. Die exakte Verteilung von Wörtern, Silben und Lauten im Gedicht, die Reihungen und Wiederholungen, die Akzentsetzungen – all dies findet sich in den Texten, und es korrespondiert mit musikalischen Strukturen. Gezeigt werden Ausschnitte von Jandls Auftritten mit Dieter Glawischnig und der Bigband des Norddeutschen Rundfunks, mit Mathias Rüegg und dem Vienna Art Orchestra, mit der Sängerin Lauren Newton oder dem Akkordeonspieler Erich Meixner.

Station 9: Die Listen des Alltags. Leben und Schreiben – Hier wird ein Einblick in Jandls Privatleben gegeben, mit Fokus auf Gepäck-, Einkaufs- oder Medikamentenlisten, die der Schriftsteller führte und die seinem Leben den nötigen Halt gaben. Die Verbindung zum Werk stellen die zahlreichen ebenso akkurat geführten Wortlisten dar, die als Reservoir für die Gedichtproduktion dienten: Die Wörter wurden in stets neue Zusammenhänge gebracht.

Um einen zentralen Aspekt in Jandls Spätwerk geht es in der vorletzten Station mit dem Titel „den mund mach auf mach zu“. Der Körper und seine Teile. Viele von Jandls sprachlichen Selbstporträts führen den Körper in verstörenden Verfallszuständen vor. Die Gedichte sprechen vom Alter und von körperlichen Gebrechen in einer beklemmenden Direktheit. Dabei verfügte Jandl über sprachlichen Witz und Sinn für die absurde Komik der menschlichen Existenz. Auch die Stimme, Jandls bevorzugtes Organ, bleibt nicht verschont: Sie wird malträtiert, ihr Ausdrucksspektrum reicht bis zum Ächzen, Krächzen, Lallen und Stöhnen.

Mit Jandls Tod ist zwar seine Stimme nicht mehr live zu hören, aber seine Texte strahlen weiterhin beeindruckende Lebenskraft aus. Das zeigen Bearbeitungen für das Theater, in der bildenden Kunst, in der Musik und im Film. Jandl selbst verfolgte eine Zeitlang den Plan, einige seiner Entwürfe zu veröffentlichen, damit andere sie weiterschreiben können. Das Projekt „Gedichte zum Fertigstellen“ wurde für diese Ausstellung realisiert; es konnten namhafte Autorinnen und Autoren dafür gewonnen werden. Lebendig bleiben Jandls Texte gerade dann, wenn sie immer wieder aufs Neue laut gelesen werden und wenn sie zu einem kreativen Umgang mit Sprache anregen. Die elfte und letzte Station der Ausstellung („end of a speaker?“ Jandl für alle!) fordert die BesucherInnen auf, selbst zu „jandln“.

Kuratorisches Team und Katalog
Die Ausstellung wird kuratiert von Bernhard Fetz, dem Direktor des Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek, und Hannes Schweiger vom Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Theorie der Biographie. Von Seiten des Wien Museums war Vizedirektorin Ursula Storch für die kuratorische Beratung zuständig.

Zur Ausstellung im Wien Museum Karlsplatz erscheint ein Katalog im Residenz- Verlag mit zahlreichen Abbildungen und Beiträgen von Frieder von Ammon, Christa Blümlinger, Bernhard Fetz, Wolfgang Gratzer, Monika Schmitz-Emans, Franz Schuh, Hannes Schweiger und Ursula Storch sowie „fertiggestellten“ Gedichten von Ann Cotten, Franz Josef Czernin, Brigitta Falkner, Bodo Hell, Friederike Mayröcker, Arne Rautenberg, Ferdinand Schmatz und Yoko Tawada. Zur Ausstellung wird außerdem eine Begleit-DVD mit zahlreichen auch audiovisuellen Dokumenten aus dem Nachlass publiziert, ein virtueller Gang durch Ernst Jandls Lebens-Werk.

Page 1 of 512345